Schlagwort: Bildgestaltung

EP04: Stefan Ciupek, DoP

Jetzt im Hinter der Kamera Podcast: DoP Stefan Ciupek
Jetzt im „Hinter der Kamera“-Podcast: DoP Stefan Ciupek (Foto: privat)

Heute spreche ich mit Stefan Ciupek, DoP, DIT und Colorist – und langjähriger Kollaborateur von DoP Anthony Dod Mantle. Wir sprechen über Stefans Anfänge in der digitalen Cinematographie bei „Russian Ark“, er verrät Details zu seiner bahnbrechenden Arbeit an „Slumdog Millionaire“ und erzählt vom Dreh des Actionkrachers „Guns Akimbo“, der jetzt im Kino ist.

Stefan Ciupek hat die Welt gesehen. In den letzten 20 Jahren drehte er mit internationalen Größen in Russland, Indien, Neuseeland und Südafrika. In jüngster Zeit häufen sich auch wieder deutsche Projekte. Auch wenn das aktuellste, „Guns Akimbo“, seit 25. Juni im Kino, eine internationale Produktion ist.

Aber ich galoppiere schon voraus. Mein heutiger Gast Stefan Ciupek, DoP, DIT und Colorist bei zahlreichen Filmen, hatte keinen selbstverständlichen Start in der Filmbranche. Zwar kam er schon als Kind mit Film in Berührung, doch der erste, richtige Dreh ließ auf sich warten. Stefan wuchs in der DDR auf. Seine Mutter dolmetschte für die internationalen DEFA-Produktionen die Hauptdarsteller aus Polen am Set.

Professionalisierung

Die Familie floh in den 1980ern aus der DDR über Polen nach West-Berlin. Hier entdeckte Stefan erst seine Leidenschaft für Fotografie, dann begann er nach der Wende um die Abiturzeit herum mit eigenen Kurzfilmen, die er meist in Personalunion aller kreativen Gewerke umsetzte. Jetzt hatte er Blut geleckt und sichte nach Wegen, das zu professionalisieren.

Um diesen Plan in die Tat umzusetzen fiel seine Wahl auf den damals neuen Ausbildungsweg zum Mediengestalter Bild und Ton. Die Ausbildung begann er bei einem Postproduktionshaus, das die RTL-Produktion „Hinter Gittern – der Frauenknast“ betreute. Hier kam er schnell ans Set und durchlief während der drei Jahre Ausbildungszeit von Schnittassistenz über Post Production Supervisor bis zum Bildtechniker am Set und schließlich Camera Operator viele Stationen.

Digitale Cinematografie

Ende der 1990er war diese Zeit vorbei, denn Stefan wollte zum Kino. Er arbeite als Kameraassistent und hatte schließlich ein Erlebnis, das seine Karriere und damit sein Leben veränderte. Durch Zufall kam er an einen Musikvideodreh mit einer der ersten HD-Kinokameras der Welt. Die Bildgestaltung übernahm Jürgen Jürges, Regie führte Wim Wenders. Es handelte sich bei der Kamera um einen Prototypen der Sony F900. Mit der würde George Lucas kurze Zeit später „Star Wars – Attack of the Clones“ drehen.

Stefan war sofort klar, dass dies die Zukunft des Kinos war, daher kniete er sich in diese Technologie hinein und vernetzte sich mit den wenigen Pionieren, die es auf dem Gebiet in Deutschland gab. Für Regisseur Alexander Sokurows „Russian Ark“ ermöglichte er den ersten Dreh mit einem Festplattenrekorder in der Filmgeschichte – das war 2002.

Anthony Dod Mantle und Arbeit als DoP

So wurde auch Kameramann Anthony Dod Mantle auf ihn aufmerksam. Mit ihm drehte Stefan Thomas Vinterbergs Film „Dear Wendy“ und zahlreiche weitere Projekte für die Regisseure Lars von Trier und Danny Boyle, die bekanntesten sind sicher „Antichrist“, „127 Hours“, „Dredd“ und natürlich „Slumdog Millionaire“ für den Dod Mantle den begehrten Academy Award erhielt.

Seit 2012 arbeitet Stefan fast nur noch als verantwortlicher DoP. Das Regie-Debüt von Schauspieler Ulrich Thomsen „In Embryo“ setzte er in Kalifornien mit einem intensiven Lichtkonzept um. Den Kinofilm „Die dunkle Seite des Mondes“ von Regisseur Stefan Rick mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle, drehte Stefan in Frankfurt und Umland. Dafür teilte er sich den Kamera-Credit mit Felix Cramer. Warum, das erzählt er mir im Podcast. Seit 25. Juni ist der Actionfilm „Guns Akimbo“ von Regisseur Jason Lei Howden in den deutschen Kinos – zumindest, wo diese schon wieder öffnen dürfen.

Wenn ihr Lust habt, zu Stefans Stimme auch etwas Bewegtbild zu bekommen, dann schaut bitte auf dem Youtube-Kanal meines lieben Kollegen Holger Frick von der Superama Filmproduktion in München vorbei. Er hat Stefan zu „Guns Akimbo“ ebenfalls interviewt. Sein Kanal heißt „Superchannel2020“ und ist auch auf Facebook und Instagram vertreten. Bitte schaut vorbei und lasst einen Like da!

Stefan Ciupek im Netz

Wer Lust hat, mit Stefan zusammen zu arbeiten, der folge diesem Link auf seine Homepage! Dort findet ihr alles, um mehr über seine Arbeit zu erfahren oder ihn direkt und über seine Agentur anzusprechen. Außerdem habe ich für die Ausgabe 05.2020 ein ausführliches Gespräch mit Stefan für Film & TV Kamera geführt, das ihr hier exklusiv und kostenlos herunterladen könnt!

Diesen Podcast könnt ihr übrigens bei Apple Podcasts, Google Podcasts, Deezer und Spotify abonnieren! Mehr dazu findet ihr hier!

Aber jetzt erstmal viel Spaß mit meinem Gespräch mit DoP Stefan Ciupek!

EP03: Monika Plura, DoP

Jetzt im Podcast: Kamerafrau Monika Plura

Der Juni bringt meinen dritten Gast im Podcast: Kamerafrau Monika Plura, DoP bei vielen TV-Reihen, Dokus und für das Kino spricht über die Bildgestaltung in ihren Filmen. Die Kamerafrau verrät zudem Details über die Kollaboration mit ihrer Schwester, Regisseurin Martina Plura, wie sie mit engen Drehplänen umgeht und über unveröffentlichte Dokumentarfilme.

Monika Plura drehte Filme bevor viele ihrer Altersgenossen sich überhaupt mit Berufswahl auseinandersetzten. Mit elf Jahren begann sie mit ihrer Zwillingsschwester Martina Horrorfilme zu drehen. Mit der Zeit kamen mehr Genres dazu, Drama, Komödie und Stop Motion. Rund 70 Kurz- und Langfilme entstanden so bis zur Abizeit. Schon damals stand sie am liebsten hinter der Kamera.

Nach dem Abi also war klar, dass es für die beiden Pluratwins, wie sie sich selbst nennen, zum Film gehen muss. Bei einer Filmpremiere drückten sie Douglas Welbat, dem Produzenten von „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ ihre Kurzfilme in die Hand. Es folgten erste Praktika an Film- und TV-Sets in Köln. Ab 2008 studierte sie in an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Hamburg Film, unter anderem bei Wim Wenders und Pepe Danquart. Schon hier übernahm sie neben ihren eigenen Projekten bei vielen Drehs ihrer Kommilitonen die Kamera.

Kollaboration

An das stark künstlerisch geprägte Studium ließ sie ab 2012 ein zweites an der Hamburg Media School folgen. Hier belegte sie den Studienschwerpunkt Bildgestaltung. Ihre Schwester Martina Plura studierte im gleichen Jahrgang Regie. Das Studium and er HMS ist eine zweijährige Tour de Force, an deren Ende Monika Plura aber auch keine Scheu mehr hatte, einen Licht-LKW zu befüllen. Auf die Beherrschung der Technik wird starker Wert gelegt. Die Kombination des künstlerischen Ausprobierens an der HfBK mit dem stark am Markt orientierten Studium an der HMS, war für Monika Plura perfekt. Beide Schwestern drehten an der HMS auch mit anderen Regisseur*innen und Kameraleuten, fanden aber zum Abschlussfilm wieder zusammen.

Kamera soll unterstützen

Der 24-Minüter „Da nicht für“ erzählt drei Geschichten von drei sehr unterschiedlichen Männern. Monika gab jeder Figur ihre eigene Bewegung, ihre eigene Bildsprache. Ihre Bildgestaltung, so Plura, falle am besten gar nicht auf, sondern unterstütze die Geschichte. Es folgt 2015 das gemeinsame Debüt der beiden Schwestern „Vorstadtrocker“, eine schwarzhumoriger TV-Film, der Monika vor allem wegen der unterschiedlichen Milieus reizte.

Zwischendrin macht sich Monika immer wieder Platz im Kalender für Herzensprojekte. So auch für den Dokumentarfilm „Serenade für Fanny“ unter der Regie ihrer HMS-Kommilitonin Monique Marmodeé. Doch sie freut sich auch immer wieder, mit ihrer Schwester Martina Plura als Regisseurin zu drehen. Der zweite Langfilm war die Komödie „13 Uhr Mittags“, durch deren Titel das berühmte Vorbild „High Noon“ schon hindurch schimmert.

Kino & TV

Mittlerweile verantwortete Monika Plura, DoP in vielen TV-Produktionen, auch Folgen für die Krimireihen „Soko München“ und „Letzte Spur Berlin“. In 2019 kamen auch abendfüllende Formate hinzu, wie die Folge „Aus dem Ruder“ der Reihe „Friesland“, die gerade im Frühjahr ausgestrahlt wurde. Die Ausstrahlung ihrer Arbeit an „Ella Schön“ wurde gerade von Mai auf den Herbst verschoben.

Aktuell läuft ein Kinoprojekt von Monika zum zweiten Mal im Kino an. „Zu weit weg“ heißt der Jugendfilm über zwei Jungen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verloren haben. Das Regiedebüt von Sarah Winkenstette war Mitte März angelaufen, aber durch die Coronakrise leider sehr kurz im Kino. Jetzt kommt der Film ab 2. Juli nochmal in deutsche Lichtspielhäuser. Auf der Homepage von „Zu weit weg“ gibt es eine Liste der Kinos, die ihn im Sommer zeigen. Für die Ausgabe 4.2020 des Fachmagazins Film & TV Kamera habe ich ausführlich mit Monika über ihre Arbeit an „Zu weit weg“ gesprochen.

Monika Plura im Netz

Schaut am besten auf der Homepage von Monika vorbei, um mehr über ihre Filme zu erfahren. Ihre Profile bei den Cinematographinnen und beim Bundesverband Kinematografie geben auch Aufschluss über ihre Einsatzgebiete – und bieten Kontaktmöglichkeiten für Euch, wenn Ihr mit ihr arbeiten wollt. Zu guter Letzt gibt es in der Ausgabe 7-8/2020 von Film & TV Kamera ein Porträt von mir über Monika Plura. Besorgt Euch das Heft und lest mal rein!

Diesen Podcast könnt ihr übrigens bei Apple Podcasts, Google Podcasts, Deezer und Spotify abonnieren! Mehr dazu findet ihr hier!

Und jetzt gute Unterhaltung mit Kamerafrau Monika Plura!